Dienstag, 18. Dezember 2012

Die Klimaretter aus Doha - Mein Kurzurlaub in Arabien


Von Nico Hickel

Vor knapp zwei Wochen ging die 18. UN-Klimakonferenz in Doha zu Ende. Dieser Satz umschreibt in seiner prägnanten Kürze so ziemlich Alles, was es wichtiges über die Konferenz zu berichten gab.

Viel mehr kam in Doha, und in den Zeitungen danach, also nicht rüber. Verglichen mit den vergangenen Events aus Durban, Cancún oder gar Kopenhagen jedoch, wurde in Doha diesmal so richtig in die Ärmel gespuckt und die Hände hochgekrempelt... oder andersrum.

Foto: forum-csr.net
Wir erinnern uns: Offiziell lief diese unerlaubt nervtötende Konferenz (umgangssprachlich auch UN-Konferenz) vom 26 .Oktober bis 7. Dezember im arabischen Emirat Katar. Ausgerechnet Katar. Kein anderes Land der Erde hat einen größeren CO2-Ausstoß pro Kopf als Katar. Dreimal so viel wie Deutschland, vom Wasserverbrauch ganz zu schweigen. Unbestätigten Gerüchten zur Folge laufen dort die Klimaanlagen mit Öl und die Kaffeemaschinen mit Gas. Verwundern würde das wohl niemanden. Ergebnis der zweiwöchigen Abgeordnetenparty war die Verlängerung des bestehenden Kyoto-Protokolls um acht Jahre bis 2020.

Welch angenehme Ironie, dass Japan, damaliger Namensgeber, sich aus dem neuen Protokoll verabschiedet hat. Genauso wie Russland, Kanada und Neuseeland. Aber Europa, ja wir, wir werden das Kind schon schaukeln. Wer genau wie viel schaukelt, wer die Schaukel bezahlt und warum die Schaukel wieder ausgerechnet von den zwei professionellen (Schiff-)Schaukelbremsern aus Amerika und China angehalten wird, diese Fragen konnten beim besten Willen nicht mehr beantwortet werden. Dafür waren zwei Wochen einfach viel zu kurz. Anmerkung für das nächste Jahr, vier Wochen sind Minimum. Dann kann der Jahresurlaub gleich angehängt werden!

Foto: kleinezeitung.at
Man muss wohl nicht erwähnen, dass die "Einigung" für das Kyoto-Protokoll am 8. Dezember erfolgte. Also einen Tag nach (offiziellem) Ende der Konferenz. Laut Medien auf "Druck des Gastgeberlandes". Mich würde interessieren wie man solche Menschen, genauergesagt Politiker, Abgeordnete oder stellvertretende Stellvertreter von politischen Abgeordneten wieder aus seinen Hotels bekommt. Wird die Minibar abgeschlossen? Wird das Buffet kostenpflichtig? Mein persönlicher Favorit wäre das abschalten der Klimaanlagen in den Ministersuiten. Dann gäbe es sofort eine "richtige" Klima-Konferenz. Auf der höchstwahrscheinlich in einen Bruchteil der Zeit ein vielfaches an Punkten behandelt worden wäre.

Lange Rede gar kein Sinn, nach zwei Wochen und Millionen an Steuergeldern aus der ganzen Welt ging der Gipfel mit dem, von Experten schon lange vorhergesagten, "kleinsten Nenner" zu Ende. Wäre es nicht für alle Beteiligten einfacher gewesen, ein Sammelschreiben der sogenannten "Experten" in den UN-Verteiler zu kopieren und diesen dann per Mail an die jeweiligen Verantwortlichen weiterzuleiten? Vermutlich nicht. Sonst hätte ja niemand Urlaub in Katar gemacht.

Ich hätte da mal einen Vorschlag für die nächste Konferenz 2013, sollten uns die Maya vorher keinen Strich durch die Rechnung machen.
Wie wäre es, wenn wir unsere Energiepolitische Elite einfach in einem unklimatisierten, toilettenlosen Konferenzraum einsperren, und erst dann wieder aufmachen falls sie uns, der Welt, einen seriösen, durchführbaren wenn auch verschwitzen Aktionsplan unter der Türe durchschieben würden. Getreu dem Urlaubsfahrt-Motto zum Campingplatz: "Wir sind nur so stark wie die schwächste Blase".

Dann hätte die "Klima"-Konferenz vielleicht einmal Erfolg.

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