Mittwoch, 2. Januar 2013

Deutschland 2013 - Wie ein Staat sich von seinen Bürgern entfernt

von Philipp Horn

Die "Dreizehn" gilt hierzulande im Allgemeinen nicht wirklich als Glückszahl. So wird auch ihr Namensverwandter, das Jahr 2013, für Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland mehr Unglück als alles andere mit sich bringen.

Foto: Zeit
"Ein schwieriges Jahr", So die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache - dem alljährlichen Event voller Worthüllen, Zweckbeschönigungen und enorm viel Eigenlob. Die selbsternannte "erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung" stand im vergangenen Jahr vor allem für "Stabilität auf dem Arbeitsmarkt - trotz Krise." Eine Lüge, in ihrer Dreistigkeit so kläglich, als würde man der Europäischen Union einen Friedensnobelpreis verleihen - Hoppla, Touché!


Die Fakten

Mehr als jeder fünfte Beschäftigte in der BRD arbeitet für einen Niedriglohn. Hierzu verwies Frau Merkel indirekt auf die so "sichere Zukunft junger Deutscher mit Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag."

Über die Hälfte der Beschäftigten unter 24 ist befristet oder als Leiharbeiter beschäftigt. "Sicherheit" sieht mit Sicherheit anders aus.

15% der Bürger zwischen 22 und 34 haben keine Berufsabschluss - Nicht weniger als 2,2 Millionen Menschen. Alles in allem zwar noch keine "spanischen Verhältnisse" - aber stellen diese wirklich einen Gradmesser dar?

Eigentlich sollten solche Horror-Statistiken jedem aktuellen Regierungsmitglied zu denken geben. Nicht jedoch in der Märchenrepublik. Hier zählt nämlich nach wie vor das, was die Presse ihren Schäfchen vorsetzt. So lud die Kanzlerin in der Vergangenheit bereits mehrfach hochrangige Journalisten zum "Tag der offenen Tür" ein, um u.a. einen drohenden "Bank-Run" sowie eine kritische Berichterstattung bzgl. der EURO-Rettung zu vermeiden. 


Die Wahlen

Demoratietechnisch betrachtet, ergibt sich 2013 mal wieder die Chance unsere profillosen Politdarsteller abzustrafen und endlich einer möglichen Alternative die Chance zu erteilen. Machen wir uns aber nichts vor, die aktuelle Sonntagsfrage brachte der Union 41% der Wählerstimmen, was nicht nur an kapitalorientierten SPD-Politikern liegt. 

Foto: br.de
Angela Merkel schaffte es nämlich, die Politiklandschaft in der Vergangenheit so zu sozialen, dass andere Mainstreamparteien heute ohne eigenem Profil darstehen. So wurde den Grünen die Energiewende geklaut. Man nahm der SPD die völlig verkorkste "Agenda 2010" und verkaufte sie als Arbeitsmarktrevolution. Und die FDP stellt zur Zeit(!) nicht mehr als einen medialen Spielball sowie Prellbock eigener Fehlentwicklungen dar.

Davon mal ganz abgesehen, stimmte dennoch jede genannte Partei in großem Umfang stets jedem irrsinnigen Rettungspaket für Griechenland und CO. zu, ohne dabei mit der Wimper zu zucken, geschweige denn darüber belesen zu sein. Zusammenfassend bedeutet das: Die wichtigsten politischen Entscheidungen seit der Wiedervereinigung wurden von Union, SPD, Grünen und FDP mit wenigen Ausnahmen im Eilverfahren durchgewunken - mit katastrophalen Auswirkungen für die Zukunft aller Nationalstaaten in Europa.

Es ist mehr als traurig, dass man zu Beginn dieses Jahres bereits grob vorhersagen kann, wie diese Wahlen ausgehen werden. Angela Merkel wird 4 weitere Jahre regieren, in welcher Konstellation auch immer. Eine weitere Legislaturperiode geprägt von Kursänderungen im Zeichen des Zwecks. Europa wird weiter dezentralisiert, neue politische Institutionen werden ins Leben gerufen - natürlich stets, weil das globalisierte Europa dies erfordert, und nicht, weil man es von vorne herein so geplant hat. Riecht nicht nur nach Einheitspartei, schmeckt auch so.


Die Euronen

Ich möchte an dieser Stelle unseren Finanzminister berichtigen, die EURO-Krise ist natürlich längst nicht vorbei. Viel zu unsicher ist die politische Lage in Italien, viel zu prekär die Arbeitsmarktsituation in Spanien und viel zu sinnlos das aktuelle Leid von Millionen griechischen Bürgern. Das "Pseudo-Nein" der Kanzlerin zu Euro-Bonds wirkt beinahe surreal, in Anbetracht der bereits längst vorhandenen Gemeinschaftshaftung. 

"Nie wieder darf sich eine solche Verantwortungslosigkeit wie damals durchsetzen". In klassisch populistischer Manier bietet Frau Merkel der Finanzindustrie die Stirn - zumindest für's Fernsehen. In der Realität jedoch weitet die Krake der Märkte ihre Tentakeln längst in ganz Europa aus. Angeführt durch Goldman Sachs wurden hohe politische Ämter infiltriert, darunter z.B. die Chefstühle der EZB und selbst Italiens - Fortsetzung folgt.


Die Kosten

Foto: TAZ
Wie in jedem Jahr wird 2013 selbstverständlich wieder vieles teurer, diesmal jedoch noch spürbarer. So steigen die Strompreise um mindestens 20%. Trotz Gewinnen in mehrstelliger Millionenhöhe geben die kartellartig fungierenden Stromanbieter anfallende Zusatzkosten fast Eins zu Eins an die Verbraucher weiter. Dabei ist die Energiewende keineswegs ein Allheilsbringer, sondern bringt eher scheinbar einkalkulierte Risiken mit sich. Mal ehrlich, trauen Sie jemandem wie Peter Altmeier die Revolution unserer Energieversorgung zu, ohne das dabei fragwürdige Konsequenzen drohen?

Neben den Energiekosten sind die Deutschen auch 2013 weiterhin den steigenden Mieten ausgesetzt, vor allem in Ballungsgebieten. Erleichterung erfahren wir zumindest durch die Neustrukturierung staatlicher Rundfunkgebühren. Die darf nämlich nun endlich jeder zahlen, ob mit oder ohne TV. Jedoch gibt es für eingefleischte Drückeberger, zu denen Sie hoffentlich zählen, wenigstens etwas Trost - GEZ-Klagen werden nämlich erschwinglich. 

Ganz nebenbei werden wir im neuen Jahr auch für unsere Ernährung deutlich mehr bezahlen müssen. Denn bereits 2012 stiegen Lebensmittel hierzulande zum Preistreiber Nummer Eins auf.


Alles in allem natürlich einmal mehr äußerst positiv stimmende Aussichten für das neue Jahr. Sollten Ihnen die vorangegangenen Ausführungen missfallen, nehmen Sie es sportlich, denn für Märchenrepublik schreiben doch sowieso ausschließlich irre Verschwörungstheoretiker.



Im Namen unseres Teams wünsche ich allen Lesern, Fans und ihren Familien ein frohes und gesundes neues Jahr 2013. 




7 Kommentare:

  1. Wie beendet Urban Priol seine kabarettistischen Jahresrückblicke? "Das neue Jahr wird mit Sicherheit genauso bescheuert wie das alte!"

    Und da spricht bereits nach wenigen Tagen einiges dafür...

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  2. Vor allem zum Wahlthema kann man nur AMEN sagen!

    Die Gesellschaft braucht wahrhaftig mehr solcher Aufklärer wie Sie!

    Respekt!

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  3. Da hat er schon Recht wenn er sagt die Krise ist bald Vorbei.
    Sie wird abgelöst durch:
    1.Rezession
    2.Depression
    3. ....so wies ausschaut beginnen wir dann wieder mit dem gleichen scheiß von vorne nur mit 0%-Freiheit statt den bisherigen 3%-Freiheit

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    1. Rezession und Depression sind doch aber nicht wirklich 'krisenlose' Eigenschaften..

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  4. Ein kleines Beispiel zum Thema Presse:

    WDR 5 Das Tagesgespräch: Wie den demografischen Wandel gestalten?

    Eine Gesprächsrunde, die in jeder Sendung ein anderes Thema in den Raum stellt.

    Interessanter weise wurden alle Statements ernst genommen! Dann ruft ein Mann an, der anspricht, dass abhängig Beschäftigte im Gegensatz zu Menschen mit Vermögenszuwachs durch Kapitalerträge, zwar weniger in den Rententopf einbringen können, als früher, aber gleichzeitig, zeitlebens dem Kapital, durch Arbeitsleistung, zum Wachstum verholfen haben.
    Eine logische Konsequenz daraus wäre eine Bürgerversicherung, die nicht gedeckelt, abhängig von Erträgen, aus welchen Quellen auch immer, prozentual in die Rentenkasse einzahlen zu haben.
    Das Ergebnis wäre eine stabile Rente, mit viel Luft nach oben.

    Alle sinnlos Kommentare, vor und nach dem Statement dieses Mannes, wurden ordentlich besprochen. Als er unangenehm nachhakte, dass er quasi auch Nettomillionäre meint, wurde er quasi aus der Sendung geworfen.
    Unangenehmer Standpunkt, den der Moderator nicht weichgespült zusammenfassen konnte!

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  5. Howdy! Ich würde mir mehr Quellenangaben wünschen, wenn mit Statistiken gearbeitet wird und empfehle, vorm Posten nochmal drüberzulesen im Hinblick auf die Orthographie.
    Top-Artikel, aber solche vielleicht nichtigen Mängelchen strapazieren die Glaubwürdigkeit und bieten unnötig Angriffsfläche.
    Nur ein gut gemeinter Tipp! :-)
    Ansonsten weiter so!

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    1. Besten Dank!

      "Wer sich nichts sagen lässt, bleibt stehen"

      Grüße

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