Donnerstag, 7. Februar 2013

"Private Equity" – Ein Buch mit sieben Siegeln?

  Von Andreas Ogger

Ich denke, es ist wieder mal an der Zeit, dieses relativ unbekannte, wenn auch um so interessantere Thema anhand einer selber erlebten Erfahrung näher zu erläutern:

Wie ein Lebensretter mit Hilfe eines FOCUS MONEY-Berichts vom 23.11.2011 sein Kapital retten kann, 
wenn richtig mit ihm kommuniziert wird.


Kürzlich sitzt mir ein 40-jähriger Notfallarzt  gegenüber und klappt seinen schweren Ordner auf, in dem seine Finanzdokumente lagern. „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Sachen, die ich vor 10 Jahren abgeschlossen habe, heute nicht mehr zeitgemäß sind.“, sagt er. Und tatsächlich – auf dem mühsamen Weg durch sein Anlagedickicht..


•schüttelt er verwundert den Kopf, wie er nach Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung 5 Jahre später nochmals eine „ergänzende“ BU* abschließen konnte, die seine Absicherung kaum verbessert, aber umso mehr das Monatsgehalt schmälert, 


•wird er kaltschweißig-bleich angesichts einer Riester-Rente, für die er knapp 130 Jahre alt werden müsste, um seine Beiträge wenigstens mit 5% Rendite verzinst zu sehen.

•kommen ihm beim aktuellen Rückkaufswert seiner beiden kapitalbildenden Lebensversicherungen und auf 43 Jahre Laufzeit abgeschlossenen Policen fast die Tränen. 

Mit Galgenhumor meint der Doktor daraufhin: „Da hat mich die Versicherungsagentin ja richtig gut verarztet.“ Kein Trost war für ihn, dass er wie viele andere womöglich bei einer „Drückerin“ gelandet ist, der ihr eigenes Girokonto wichtiger war als sein Wunsch nach solidem Vermögensaufbau. In diese Richtung zielt auch die Bemerkung von Walter Benda, der nach eigener Aussage mit 21 Jahren als sog. Drücker angefangen habe. Er gab im Fernsehen bei Anne Will im November 2011 vor großem Publikum zu: „Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich durchaus Verträge an den Mann gebracht habe, deren Nutzen zweifelhaft sind“

„Um mir vor unserem Treffen etwas Orientierung im Labyrinth der Geldanlagen zu verschaffen“, erzählt mein Mediziner, „habe ich mir die aktuelle Ausgabe der FOCUS MONEY gekauft,

Foto: harzlife.info

Er schlägt die Umschlagseite auf und findet auf S. 3 ein kleines, ins Heft eingeklebtes Büchlein mit dem Titel 
„Sachwerte gegen die Schuldenkrise – Stabilität kaufen, Vermögen schützen“. Er liest sich durch die 
Auf und Abs von Investitionen in Immobilien, Schiffen, Flugzeugen und will schon ermüdet-frustriert den Ratgeber beim letzten Kapitel „Sonstiges“ weglegen, als ihm eine Zeile ins Auge sticht:  „Während ältere Privatanleger die Renditechancen eher als Risikoindikator ansehen, sprechen die Renditechancen jüngere Privatanleger und Anleger mit unternehmerischer Identität an. Sie sind offen für Private Equity.“


Renditechance für jüngere Anleger? Unternehmerische Identität? Private Equity? Das interessierte den wieder erwachten Arzt und er liest weiter: Laut einer Studie des Forschungsinstituts Q Agentur 
und der Feri Euro Rating Services AG erzielten 45% der aufgelegten Private-Equity-Fonds in der 
Vergangenheit einen Wertzuwachs von über 50%; 43,5% der Fonds schafften eine Rendite von mehr 
als 10% pro Jahr, und 8% der Fonds gelang eine Verdreifachung des Kapitals. (6,7) 

„Wo ist da der Haken?“, fragte er sich sofort: „Wenn fast 100% aller Versicherungen Schwierigkeiten mit dem schon lächerlich niedrigen Garantiezins haben, aber die Hälfte aller Private-Equity-Fonds teils satte Gewinne erzielt – warum macht es dann nicht jeder?“ 
An dieser Stelle seiner Erzählung muss ich schmunzeln und sage: „Ein paar Zeilen weiter oben steht´s doch drin! "Obgleich Private Equity bewiesenermaßen interessante Investitionschancen bietet, entpuppte sich die Asset-Klasse für viele Privatanleger als Buch mit sieben Siegeln, das zudem negative Assoziationen auslöst.“ 


Woher die negativen Assoziationen kommen, ist schnell erklärt (Abgrenzung StartUp-/Wachstumsfinanzierung, Risiko-/Chancenkapital usw.). Dass Private Equity als Anlagekonzept frappierend simpel ist, aber die Umsetzung des Konzepts ein Buch mit sieben Siegeln sein kann, versteht der Doktor sofort – dafür bräuchte es eben ein kompetentes Management, betone ich. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stelle ich ein paar Beteiligungen vor, in denen ich selbst investiert habe, und spreche ausführlich über die Entwicklung meiner Portfolio-Firmen innerhalb der letzten 5 Jahre. Dann erläutere ich die vielen Sicherheitsmechanismen, die für das Kundengeld eingerichtet werden können – denn mir war klar, dass für den Intensivmediziner, der hauptberuflich Menschenleben rettet, die Rettung seines Kapitals nach 10 Jahren „Ins-Minus-Sparen“ an oberster Stelle steht. 

Um den verunsicherten Mann schließlich für Private Equity zu gewinnen, habe ich mich an einen einfachen Rat gehalten, der in dem FOCUS MONEY-Büchlein gleich mitgeliefert wird, als es über die jungen Privatanleger sagt: „Aber sie wollen keine Katze im Sack kaufen. Um sie zu gewinnen, muss die Branche deshalb das Kommunizieren mit ihnen lernen.“ 
Und ich habe das Glück gehabt, dass sich mein Anleger bis zur drittletzten Seite eines Ratgebers ins Kapitel „Sonstiges“ gekämpft hat, um auf eine der renditestärksten Sachwertanlagen zu stoßen.

Dies habe ich schließlich noch mit einem Artikel aus dem Handelsblatt bekräftigt, bei dem der damalige FDP-Experte Hermann Otto Solms die Insolvenzrate von Private Equity finanzierten Unternehmen bei 
weniger als 1% sieht!



Wann beginnen Sie sich zu informieren?







* Kürzel für: Berufsunfähigkeitsversicherung 
4) FocusMoney vom 23.11.11, Ausgabe Nr. 48 
5) FocusMoney 48/2011, Beilage, S. 30, rechte Spalte, 2. Absatz 
6) ebenda, S. 31 

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