(ph) Nachdem Skandalrapper SIDO in der letzten Folge von ProSiebens Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" mit wenigen Legalisierungsgedanken 300.000 Euro mit nach Hause nehmen konnte, scheute der Sender diesmal keine Mühe, um die zurückliegende Folge am vergangenen Sonntag vermehrt mit Hochkarätern aus Politik und Wirtschaft zu füllen - Ein Teilerfolg.
Zu Gast bei Stefan Rapp waren Linke-Chef Gregor Gysi, Euro-Kritiker Bernd Lucke (AfD), Börsenexperte Dirk Müller, Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und SPD-Politiker Florian Promold. Letzterer wirkte in der gesamten Runde mehr wie ein Pfadfinder als ein Abgeordneter. Erst am Schluss versuchte er in Fragen der Bildungspolitik zu punkten - Da konnten die Zuschauer jedoch schon gar nicht mehr für ihn anrufen.
Wenig "Hau-Drauf-Rhetorik"
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| Bild: Pro Sieben |
Von Anfang an hatte man bei "Absolute Mehrheit" an diesem Abend das Gefühl, etwas läuft anders. Nicht nur die gelungene Zusammensetzung der Talk-Runde, sondern auch die Art und Weise wie über die Themen diskutiert wurde, kann für ProSieben-Verhältnisse als durchaus gelungen eingeordnet werden. So wurde zwar nicht auf die polemischen Einspieler vor jedem Thema verzichtet, jedoch ließ Moderator Stefan Raab seinen Talk-Gästen während der Diskussionen erstaunlich viel Spielraum. Dies führte dazu, dass beispielsweise das erste Thema, "Hoeneß und die Steueraffäre", von den meisten Gästen eher mit konstruktivem Inhalt, als mit Hau-Drauf-Populismus gefüllt wurde.
Nach Runde Eins lag Bernd Lucke vorn, knapp vor Gregor Gysi. Bereits jetzt abgeschlagen auf Platz 3 folgte Dirk Müller. Für die SPD- und FDP-Vertreter schien die Niederlage nach diesem Zeitpunkt bereits besiegelt. Überraschenderweise übernahm Gysi anschließend nach Runde 2 (Thema: Euro) die Führung. Nicht weil er wie etwa Lucke den schwer zu realisierenden Euro-Rausschmiss der Süd-Staaten forderte, sondern weil er die Fehllage der aktuellen Währungsunion an treffenden Beispielen manifestierte, natürlich in eloquenter sowie grundpopulistischer Gysi-Manier, was angesichts seines Daseins als "Politiker" nicht verwerflich ist.
Von 3 Gegnern der aktuellen Rettungsschirmpolitik umkreist, wirkte Dirk Niebel in der Pro7-Wahlarena meist hilflos. Dies jedoch auch, weil er auf keine jodelnde "Fanbase" im Publikum zurückgreifen konnte. Deutlich wurde bei der Euro-Debatte ebenfalls, wie uneinig sich Gregor Gysi und Dirk Müller in Details der Rettungspolitik sind. Beide plädierten zwar für das Ende des Sparkurses, das Ende des Euros jedoch beurteilten sie differenziert. Während für Müller die Rückkehr zur D-Mark nicht schnell genug gehen könne, verwies der Chef der Linken auf den Erhalt der Währungsunion, um u.a. den Deutschen Export und die Wettbewerbsfähigkeit anderer Euro-Staaten nicht zu gefährden. Florian Promold hingegen verkörperte die gewohnte Profillosigkeit der SPD in Sachen Gemeinschaftswährung.
Positive Ansätze
Raabs Debatte offenbarte an diesem Abend ziemlich deutlich, wie uneinig sich die Opposition ist, wenn die Frage der Währungszukunft gestellt wird. Der Moderator selbst überzeugte, abgesehen von dem einen oder anderen Scharmützel mit Gysi, fast während der gesamten Sendung durch konsequente Zurückhaltung. Angenehm vor allem, weil er dadurch das Gespräch nicht in vorher festgesetzte Richtungen leitete, wie es sonst seine Kollegen vom staatlichen Rundfunk tun. Zwar behindern Einspieler und Preisgeld nach wie vor die Authentizität des Formats, das nicht polit-talk-typische Publikum und die Wettbewerbslastigkeit verleihen dem Ganzen jedoch einen neuen und untypischen Charme. Alles geht zwar mehr in Richtung Stammtisch, gewinnt dadurch jedoch vor allem für politikverdrossene Bürger an Attraktivität.
Ein Eigentor gilt es für ProSieben dennoch zu korrigieren. So wirkt Welt-Redakteur Robin Alexander in seinen Pausenanalysen verloren. Sprachlich nicht gerade mit Talent gesegnet, fasst Alexander die Geschehnisse jedes Talkthemas in psychoanalytischer Form zusammen und geizt dabei selbst nicht mit Kritik. Hierbei wirkt Alexander voreingenommen, unauthentisch und teilweise verkrampft. Kein Wunder. War er doch als Journalist jahrelang ausschließlich für Berichterstattungen über die Unions-Parteien verantwortlich. Pro7 hat zukünftig im Prinzip genau 2 Möglichkeiten dem "Problem-Alexander" zu begegnen: Wort kürzen oder rausschmeißen.
Achja, Gregor Gysi gewann am Ende übrigens, verpasste jedoch knapp die absolute Mehrheit. "Dafür gibt es beim nächsten mal dann 400.000 Mark" fasste Raab zusammen.

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