Donnerstag, 11. Juli 2013

Der Strudel der Negativität


Märchenrepublik-Sympathisant 'Frank H.' appelliert ausführlich und ausdrücklich an konstruktivere Kritik und einer Abkehr von automatischer Nörgelei. 

Sie haben auch etwas zu sagen?
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Jammern bis zum Schluss!
Der Kabarettist Volker Pispers begann einmal sein Programm mit den Worten „Wir deutsche jammern auf einem Niveau, um das uns 80% der Weltbevölkerung beneiden“. Das schlimme an dieser Aussage war jedoch, dass er damit richtig lag!

Es mag anmaßend klingen, doch würde ein kurzes Innehalten und bewusstes Nachdenken über sich selbst sowie seinen Mikro- und Makrokosmos, gerade in unserer heutigen, durchrationalisierten und schnelllebigen Welt dabei helfen, die Relationen und Verhältnismäßigkeiten ein wenig zu ordnen.

Wer nun der Meinung ist, dass dieser Text die offensichtlichen Missstände in unserem Land und in der restlichen Welt, als nicht existent behandelt, oder schlimmer noch, den Leser dieser Zeilen als paranoid-hysterischen Wichtigtuer abstempeln möchte, der darf nach diesem Absatz gerne aufhören, und mit dem Fuß einmal zornig auf dem Boden aufstampfen. Vielen Dank für ihre Geduld.

Diejenigen, die der Vorstellung einer kurzen Besinnung über nichts Geringeres als den „Sinn“ hinter den Dingen nicht primär skeptisch gegenüberstehen, werden in der einen oder anderen Aussage vielleicht den eigenen Gedankengang wiedererkennen, oder aber auf eine vollkommen andere Sichtweise stoßen. Eine andere Sichtweise muss prinzipiell nicht grundlegend falsch sein. Das ist der erste Punkt, der heutzutage oftmals viel zu schnell abgehakt wird. Sobald wir Menschen bzw. Vereinigungen antreffen, deren Ansichten, Ziele, Überzeugungen oder (Re-)Aktionen nicht hundertprozentig den eigenen Auffassungen entsprechen, wird beinahe reflexartig eine oftmals distanzierte bis negative Haltung eingenommen. Pavlov hätte seine Freude.

Wir leben in einer Welt mit mehr als sieben Milliarden Menschen. Wir leben in einer Welt, in der wir technisch in der Lage wären, innerhalb von Sekunden mit theoretisch jedem Menschen auf diesem Planeten zu sprechen. Inklusive Farbbild!

Diese eigentlich phänomenale Errungenschaft menschlichen Handelns, ist aber auch oftmals ein Fluch. Es haben sich wohl in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie so viele Menschen so „einzigartig“ und „individuell“ fühlen, und darin bestätigt haben wollen, wie heute. Und das bringt eine Teilung und Diversifikation auf einer Ebene mit sich, die kaum zu erfassen ist. Wir Menschen separieren uns in Christen, Muslime, Juden, Atheisten, Agnostiker, Linke, Rechte, Sozialisten, Kapitalisten, Liberale, Konservative, In- und Ausländer, Schwarze, Weiße, Gelbe, Linkshänder, Rechtshänder und Fußballfan A sowie Fußballfan B. Auch wenn aus diesen Optionen beinahe unendlich viele Konstellationen möglich sind, so haben wir doch das, wie ich finde, wichtigste vergessen. Wir sind Menschen! ALLE!

Es mag nun für den einen wie neo-globalisiertes-Hippigefasel klingen. Damit würde man wohl gar nicht mal so sehr daneben liegen. Natürlich trennen uns Kulturen, Ansichten, Gepflogenheiten, religiöse Grundmuster, politische- und wirtschaftliche Überzeugungen untereinander genauso wie über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Was auch absolut zu begrüßen ist. Doch genauso, nur mit weniger Wirkungskraft, verhält es sich doch mit der Mode und dem Musikgeschmack. Jeder hört und trägt das, was ihm momentan am meisten zusagt. Natürlich könnte man diese Zeilen auf, ein inhaltlich nicht weniger korrektes „Jeder darf tun und lassen was er will, solange er damit niemandem schadet“ zusammenkürzen. Jedoch sind solche Phrasen oftmals so verwässert, dass der eigentliche Inhalt gar nicht mehr aktiv in die Großhirnrinde vordringt.

Was hat das nun alles mit jammern, und meckern gegen Gott und die Welt zu tun?

Die Verhältnismäßigkeit in der der „engagierte“ Bürger über die Missstände jammert und meckert, ist oftmals, ich betone und wiederhole, oftmals, nicht mehr gegeben!

Die Vielfalt der Einfalt
Es gibt mehr als genug über das man sich beschweren oder aufregen, über das man wütend, zornig und schockiert sein kann. Soziale Missstände in der Schul- und Arbeits- Pflege- Kranken- und Familienpolitik, die Banken, Manager, Unternehmer, Konzerne, Politiker, Lobbyisten, Oligarchen, Analysten, Waffenschieber, Despoten, Diktatoren, Diplomaten, Kapitalisten, Amerikaner, Koreaner, Israelis, Deutsche… über Brüssel, die EU, die Nato, die UN, Energiekonzerne, die Strompreise, die Dispozinsen, die Weltbank, die FED, die Amerikaner (erneut), Obama, Merkel, die Spritpreise, die NSA, Russland, Putin, Hartz IV, Kindergeld, Betreuungsgeld, Krankenkassenbeiträge, Versicherungen, Klimawandel, Nicht-Klimawandel, Ozonloch, Umweltverschmutzung, Emissionshandel, Agrarsubventionen, Biosprit, und darüber, dass es morgen höchstwahrscheinlich wieder zu warm, kalt, trocken, nass, oder einfach noch nicht Wochenende ist! (Anmerkung: Die Vollständigkeit dieser Liste ist ohne Gewähr!)

Es gibt auf dieser Welt nichts, über das man sich nicht inbrünstig aufregen könnte. Und ein Vielzahl dieser Gründe sind dabei auch prinzipiell legitim!

Es ist auffallend, dass seit geraumer Zeit das Sprichwort „Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können“, auch auf die Themenbereiche der „engagierten“ Minderheit anzuwenden ist. Gerade bei uns, in unserem NOCH „gemäßigtem“ deutschen Umfeld, ist es doch oftmals so, dass gerade im Bereich der Politik- und Wirtschaft-/Finanzverdrossenheit (welche durchaus verständlich ist) man eine schon fast prophylaktische „Dagegen!“ – Haltung einnimmt, nur um aus Prinzip gegen die „Großen“, „Mächtigen“, die „Eliten“ und „Strippenzieher“ und deren weltumfassenden Vernichtungspläne zumindest „digital“ aktiv zu sein. 
(Dieser Absatz wurde finanziert von Rothschild, Deutsche Bank AG, Heckler & Koch, sowie dem Kleingartenverein Zwnötiz e.V.)

Definition der Kritik
Der Duden definiert den Begriff „meckern“ als umgangssprachlich abwertend, ärgerlich seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Diese Kommunikationsform ist so nützlich wie sie wichtig ist, doch sollte man auch hier die „Verhältnismäßigkeit“ nicht außer Acht lassen. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich klar stellen, dass dieser Text keine, absolut keine politische oder Wirtschaftliche Entscheidung, die national, auf europäischer Ebene oder global Getroffen wurde, bewerten möchte. Weder moralisch noch aus Sicht einer bestimmten Interessensgruppe!

Die oben erwähnten Missstände sollen hier einmal nicht Bestandteil der Thematik sein. Der Leser selbst soll angesprochen werden, sich eigens an die Nase fassen und überlegen, ob und wie es weitergehen könnte.

Wir Menschen leben in einer Zeit, die überwiegend, so heißt es zumindest, von "elitären Machthabern" und "raffgierigen asozialen Psychopaten" gesteuert wird. Es wird auf die „Angstpolitik“ und die „Niederhaltung“ des kleinen Mannes verwiesen, welcher aus seiner subjektiven Ohnmacht jenen „Großen“ nichts entgegenzusetzen hat, außer eben seiner Missgunst. Vielen dürfte die „Zorn“- Rede von Georg Schramm geläufig sein, die nicht nur inhaltlich einer gewaltigen Mehrheit der Bevölkerung aus der Seele sprechen dürfte.

Nur gilt es zu unterscheiden, ob ein Sachverhalt, ein Gesetzentwurf oder eine unternehmerische Entscheidung einfach nur kritisch hinterfragt wird, oder man von vornherein eine „alternativlos ablehnende“ Haltung einschlägt, nur weil in der Kopfzeile der Verordnung EU, oder Deutsche Bank geschrieben stehen.

Grundlegende Ablehnung
Wenn man sich einmal die Zeit nimmt und sich quer durch das Internet einen groben Überblick über die verfassten Kommentare zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Themen verschafft, fällt eines auf:

Angefangen von den öffentlich Rechtlichen, über private Zeitungen, bis hin zu „Basis-kritischen“ Medien wie Märchenrepublik und Konsorten, zeigt sich eine enorm Spannweite von allgemeiner negativer Hoffnungslosigkeit. „Scheiß Banken, scheiß Politiker, die bösen Konzerne und die noch schlimmeren Manager, die korrupte EU, die wahnsinnige USA,“… es schwappt beinahe ausschließlich frustrierte Ablehnung und daraus resultierender Hass demjenigen entgegen, der versucht ist, einmal wertungsfrei die Geschehnisse zu betrachten.

Gerade in Zeiten des Internet, wo maximal eine steuerbare Anonymität gewährleistet werden kann, hat der gegenseitige Respekt untereinander deutlich abgenommen. Es werden Meinungen innerhalb von Sekunden zerrissen, nur weil ein vielleicht konservativer Leser auf einem Nachrichtenmagazin oder Blog seine Meinung kund tut, die der des Kernpublikums nicht gänzlich genehm ist.

Man kann sehr schnell über andere Meinungen urteilen sowie auch verurteilen, auch finden sich im Medium Internet sofort duzende Menschen, die dabei helfen, dieser Verurteilung Nachdruck zu verleihen.

Kritik ist wichtig, und bei berechtigter Kritik auch als nützliches Werkzeug zu gebrauchen. Doch muss man darauf achten, Kritik nicht sofort in Ablehnung umschlagen zu lassen. Es gibt Entscheidungen, deren Tragweite Hundertausende oder Millionen Menschen nachhaltig betreffen kann. Und oftmals sind diese Entscheidungen nicht nachzuvollziehen bzw. sogar  teilweise falsch. Doch auch dort, ohne diese Entscheidung zu bewerten, sollte man immer darauf achten, dass es nach wie vor MENSCHEN sind, die diese Entscheidung treffen.

An die eigene Nase fassen
Nur werden „Mehrheitsentscheidungen“ niemals die Gesamtheit zufriedenstellen können. Es wird immer Personengruppen geben die benachteiligt werden. Man kann diese These nun mit der „Eliten-Keule“ bearbeiten, und sagen dass die Handvoll „Eliten“ doch sowieso nur das machen was sie wollen. Und das mag unter Umständen richtig sowie äußerst bedauerlich sein. Doch ich frage Sie, auch wenn sie diese Bemerkung als frech oder empörend empfinden, würden SIE denn gänzlich anders handeln?

Würden SIE, wenn es um IHR Umfeld geht, wenn IHRE Kinder oder Enkelkinder betroffen sind, IHRE Existenz auf dem Spiel steht, würden SIE dann den eigenen Vorteil vollkommen zurückstellen und primär das Gemeinwohl des Landes oder der ganzen Welt vorziehen? Ich werfe niemandem etwas vor, diese Frage stelle ich ihnen und mir. Und jeder sollte sie für sich selbst und vor allem ehrlich beantworten!

Der Mensch ist ein egoistisches Wesen, was keine Entschuldigung für Fehlverhalten darstellen darf, doch bewirkt kontinuierliches jammern, meckern, schimpfen und fluchen, um auf das Thema wieder zurück zu kommen, außer einer negativen Spirale, so gut wie nichts.

Verständnis und Wille zur Veränderung statt destruktiver Kritik
Ich begrüße Aktionen wie die Occupy-Bewegung oder andere Demonstrationen durchaus, ebenso wie „virtuellen“ Protest jeglicher Art. Doch muss auch hier wieder die „Verhältnismäßigkeit“ mit einbezogen werden.

Es finden überall Beschwerden gegen Symptome und deren Ausuferungen statt. Wobei die wirkliche „Systembeschwerde“ oftmals nur sekundär in den einzelnen Protesten auftaucht. Ja es gibt politische Organe, Menschen und Konzerne, die für die absolute Mehrheit der Menschen negativ in Erscheinung treten.

Es gibt Unternehmen wie Monsanto oder Heckler & Koch. (Die Inhalte und Mittel zur Zielerreichung dieser Unternehmen sollen hier gänzlich unbeachtet bleiben). Jene verdienen Geld mit dem Leid von Menschen, bzw. der Abhängigkeit ganzer Länder.

Textilunternehmen, die in 3.-Welt-Ländern produzieren lassen „müssen“, sind ebenso verwerflich und tragen eine "Mitschuld" genau wie von Lobbyisten gesteuerte Politiken.

Es ist berechtig, das Verhalten dieser Firmen aufs äußerste anzuprangern, doch auch dort arbeiten wiederum MENSCHEN! Auch dort gibt es Menschen, deren primäres Ziel nicht ist, noch eine Million „Kunden“ mit giftigen oder tödlichen Produkten ins Jenseits zu befördern. Dort arbeiten Menschen, wie Sie und ich, die Familie und Freunde haben, wie Sie und ich. Die vielleicht sogar das gleiche politische und wirtschaftliche Interesse teilen, wie Sie und ich. Und trotzdem einer „Erwerbsbeschäftigung“ nachgehen müssen, um nicht unterzugehen, wie Sie und ich?

Gefangenendilemma
In der Mathematik, genauer gesagt in der Spieltheorie, zeigt das „Gefangenendilemma“ eine der Hauptproblematiken dieses „Systems“. Wenn ein „Spieler“ (egal ob Politik oder Konzern) eine falsche / schlechte Entscheidung trifft, reicht dieses Verhalten oft schon aus, dass die übrigen „Mitspieler“, die prinzipiell das richtige (moralisch oder ökonomisch) tun wollen, schlechter gestellt werden. Dies Führt dazu, dass auch wenn unter Umständen eine Mehrheit der Mitspieler Kenntnis von den „falschen“ Praktiken besitzt, jene dennoch weiter praktiziert werden müssen, um sich selbst und die eventuell dazugehörigen Mitarbeiter oder Bürger nicht zusätzlich und grundsätzlich zu gefährden. Sobald ein Mitspieler beispielsweise 10% weniger „plündert“, weil er eingesehen hat, dass dieses Verhalten schädlich ist, wird sein direkter Konkurrent diese 10% übernehmen und noch mehr „plündern“.

Diese Eigendynamik, angewendet auf die globale Wirtschaftspolitik, zeigt auf, dass ein grundlegender Systemwechsel nur stattfinden kann, wenn ALLE „Mitspieler“ zur gleichen Zeit das „plündern“ einstellen.

Auch wenn die meisten neo-liberal eingestellten Menschen folgende Meinung nicht teilen werden, so glaube ich doch, dass der Markt alleine diese „Selbstregulierung“ niemals stemmen werden kann. Da sie der normalen Marktdynamik gegenläufig ist. Daher glaube ich, dass wir nicht weniger Politik, nicht weniger Staat brauchen. Sondern mehr!

Achtung: Wir brauchen einen starken Staat, der VERNÜNFTIGE Regelungen über der Reichweite der Wirtschaftsinteressen hinaus, zum Gemeinwohl durchsetzen kann. Ein Staat, der nicht von Lobbyismus oder Ideologien gelenkt wird. Ein Staat, der objektiv vernünftig und vorausschauend handelt, sollte die Grundlage einer „nachhaltigen“ Veränderung sein.

Abkehr von der Nörgelei!
Es ist wichtig, kritisch zu sein. Man darf niemals Entscheidungen von großen Ausmaßen naiv, mit einem Kopfnicken annehmen, oder sie erst ganz ignorieren. Doch findet sich in unserer heutigen Zeit immer mehr diese „Ich hab‘s euch ja gesagt“-Mentalität, gegenüber Mitmenschen, die vielleicht anderer Meinung sind, oder deren Wissensstand noch nicht ganz so weit „fortgeschritten“ ist.

Es ist weder konstruktiv noch effizient, der allgemeinen „Angstpolitik“ mit einer negativen Grundstimmung im Sinne von „ist ja eh alles Scheiße“ entgegen zu treten. Diese auto-aggressive Haltung inklusive sofortiger Verurteilung der Schuld oder Unfähigkeit, erzeugt wohl kaum die gewünschte Veränderung.

Durch eine positivere Grundhaltung könnten viele Missstände schneller und einfacher beseitig werden, als eine kontinuierliche Abwärtsspirale, an deren Ende außer Frust und Resignation nichts mehr zu finden ist.

Ich wünsche ihnen einen schönen Tag




1 Kommentar:

  1. "Wir brauchen einen starken Staat, der VERNÜNFTIGE Regelungen über der Reichweite der Wirtschaftsinteressen hinaus, zum Gemeinwohl durchsetzen kann. Ein Staat, der nicht von Lobbyismus oder Ideologien gelenkt wird. Ein Staat, der objektiv vernünftig und vorausschauend handelt, sollte die Grundlage einer „nachhaltigen“ Veränderung sein."

    Auch diese Vernunft muss von den Menschen kommen, aus ihnen sprechen durch Offenheit, Empathie und Taten. Das Erlernen jener Tugenden muss von klein auf beginnen. Von den Eltern, in der Ausbildung und auch von den Vorgesetzten. Woran lernt der Mensch? Ja eben, an und von Vorbildern. Die breite Masse pickt sich nur leider die Egositen und nicht die Humanisten.
    Aber kann man auch als Einzelner jeden Tag seinen kleinen Beitrag leisten. Die Hoffnung stirbt Gott sei Dank zuletzt...

    Vielen Dank für Ihren Artikel!
    Leider surfen jene, die diesen Artikel dringend lesen sollten gerade auf bild.de, oder sitzen vor dem laufenden Privatfernsehen.

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