Donnerstag, 4. Juli 2013

"WELT" zieht Merkel-kritischen Online-Artikel zurück

(ph) Erst enthüllen, dann widerrufen. So oder so ähnlich lässt sich ein Online-Artikel der "Welt" vom 30.06.2013 beschreiben. Im Zuge des NSA-Skandals berief sich das Blatt auf Informationen des britischen "Guardian", wonach u.a. die Bundesregierung verschiedene US-Geheimdienste bereits seit Jahren heimlich mit Daten versorgen soll.

Bild: Screenshot DWN
Verantwortlich für diese Neuigkeiten war ein gewisser Wayne Madsen, Ex-Offizier der US Navy. Einem Interview Madsens mit der Organisation "Privacy Surgeion" zufolge, haben neben Deutschland und Großbritannien auch Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und Dänemark "geheime Deals" mit Washington geschlossen, inklusive der vollständigen Verpflichtung alle gewünschten Information an die NSA auszuhändigen. Über führende europäische Politiker zeigt sich Madsen indes "nur noch schockiert". Besonders deutsche Reaktionen verwundern ihn: "Ich kann nicht verstehen, wie Angela Merkel dabei ernst bleiben kann, wenn sie von Obama und Großbritannien Aufklärung verlangt, obwohl Deutschland selbst eben diesem Netzwerk beigetreten ist".

Nachdem der "Guardian" diese Informationen seinerseits wieder zurückzog, folgte die Welt den Briten mit einem unvollständigen sowie teilweise unlogischen Rückzieher. Dem Artikel wurde eine kursive Anmerkung vorangestellt:

In eigener Sache: Liebe Leser, diesen Artikel haben wir in der Nacht zum Sonntag auf Basis von Informationen der britischen Zeitung "Guardian", über die die Nachrichtenagentur dpa berichtete, veröffentlicht. Kurz darauf informierte uns die Nachrichtenagentur dpa, dass der "Guardian" seinen Bericht zurückgezogen habe und zog ihrerseits ihre Berichterstattung zurück. Der "Guardian" berief sich zur Begründung auf eine andauernde Untersuchung des Sachverhalts. Von diesem Zeitpunkt an war für uns die Voraussetzung für eine Berichterstattung nicht mehr gegeben, weswegen der Text von unserer Webseite genommen wurde, da die inhaltliche Grundlage entfallen war.

Aus diesem Statement ergeben sich 2 essentielle Ungereimtheiten:

Wieso wurde der Artikel aus jeglichen Übersichts-Reitern der "Welt"-Homepage entfernt, jedoch (noch) nicht vollständig gelöscht? Ein letzter Funkte journalistischer Selbstachtung?

Warum spricht der "Guardian" angesichts jener im Artikel benannter Tatsachen von einer "andauernden Untersuchung"? Es ist schließlich Fakt, das Herr Madsen entsprechend argumentierte.

Public Relations
Da sich ein Spekulant an dieser Stelle automatisch als Verschwörungstheoretiker diskreditiert, bleibt nur der Geruch des Offensichtlichen. Beziehungsweise der Gestank von Öffentlichkeitsarbeit und Meinungsmache. Wie so etwas funktionieren kann, zeigt ein Blick über den großen Teich. Während der PRISM-Skandal den Großteil der Europäer zumindest auf Facebook erbost, empfinden es zum Vergleich 56% der US-Bürger als legitim, wenn Geheimdienste ihre Telefonate mithören - Trotz Snowden. 2006 waren es noch 51%..

Wie sich Meinungsmache und Öffentlichkeitsarbeit in ihrer konkreten Umsetzung äußern, erleben wir täglich in den Mainstreammedien. Wie und vor allem wann war das eigentlich, als im TV noch logische Fragen gestellt wurden? Überzeugen Sie sich einfach selbst. Ab Minute 28:00 des folgenden Videos:



Wann haben Sie in den Mainstreammedien zum letzten mal eine wirklich logische Frage wahrgenommen?

1 Kommentar:

  1. So ist es eben mit den Systemterroristen. Erst sich vom Bilderbergklub einladen lassen und 6 Monate später Kanzlerin. Dann noch mit Obama zusammen sitzen, was soll da schon bei rum kommen ...

    AntwortenLöschen