Montag, 11. März 2013

Ethik ist ja ganz nett, aber Atomkraft macht Profit!


Wie Investmentfonds ihre fragwürdige Geldpolitik mit Verbrauchertrends maskieren.

Ethische Geldanlagen sind in Mode. Immer mehr Anlegern ist es nicht egal, wo das eigene Geld  möglichst  gewinnbringend vermehrt wird, seit pikante Fakten durch die Medien rieseln:

•  Hartnäckige Journalisten finden heraus, dass Riester-Renten-Geld zum Teil Streubomben finanziert

•  Die Deutsche Bank und selbst die Volks- und Raiffeisenbanken gieren mit Lebensmittel-Spekulationen nach immer neuen Renditemöglichkeiten 

•  Im Internet verhärtet sich das Gerücht, die US-Bank Goldman Sachs finanziere somalische Piraten, was einen Regierungsinsider zu der Aussage veranlasst haben soll: “Es gibt jede Menge Gesetze, diese Burschen hinter Gitter zu bringen, wenn sie tatsächlich Piraten wären,aber wenn sie Banker sind, dann sind uns die Hände gebunden

Rendite-Wölfe im Schafspelz der Ethik: Banken mit einer klaren ethischen Ausrichtung in ihrer Satzung – wie die Ethikbank oder GLS-Bank – spüren diesen Trend zu einer größeren Gewissensüberprüfung  von  Kleinanlegern und  verzeichnen  bemerkenswerten  Mitgliederzulauf. Die Etikette „ökologisch, sozial und ethisch“ nehmen vom Kuchen des deutschen Anlegergeldes einen immer größeren Anteil in Anspruch. Das ließ in der Aktienfonds-Landschaft schnelle Blüten treiben, die mit den Reizen eines scheinbar nachhaltigen Investments bezirzen; riecht der betörte Anleger aber daran, zieht ihm der Gestank verlogener Profitgier in die Nase, wovon der Onlineartikel des 'Sterns' vom 10.04.2012 berichtet.


Der Wirtschafts- und Finanzjournalist Jochen Bettzieche  fertigte  im  Auftrag  der  Grünen-Bundestagsfraktion eine Analyse von 10 ausgewählten Aktienfonds an, die für Nachhaltigkeit, Ethik und Ökologie  zugelassen sind. Das Ergebnis verwirrt zuerst, dann schockiert es:

•  Jeder der Fonds ist auf direkte oder  indirekte Weise in Kernenergie investiert, selbst wenn einer der Fonds sogar ausdrücklich damit geworben hat, auf Investitionen in Kernkraft zu verzichten.

•  Jeder der Fonds war an der Öl- und Gasindustrie beteiligt: Das reichte von Tiefsee-Bohrungen über die  Landschaft zerstörende  Ölsand-Förderung  bis  hin  zur Versorgung von Endkunden.

•  Neun von 10 „nachhaltigen“ Fonds hätten Rüstungsfirmen unterstützt, welche  die gesamte Palette kriegsfördernder Elemente vertreten würden.

Da wundert es nicht, dass die Studie den Mangel „einheitlicher Mindeststandards“ und „äußerst unübersichtliche Angebote“ beklagt. Wenn allerdings das Vertrauen für ethische, nachhaltige Investitionen gestärkt werden soll, müssten „klare gesetzliche Mindeststandards“ her.

Ein Werbekodex, der viel Rauch und kein Feuer macht: Der Branchenprimus Deutsche Bank ist wegen seiner Kapitalkraft in diesem profitträchtigen „Vorne hui, hinten pfui-Spiel“ mutmaßlich  auch  die  Nummer  Eins:  Nach deutlicher Kritik, unter anderem der Attac- und Foodwatch-Bewegung, hat sich das Geldhaus werbewirksam einem „Wertekodex“ unterworfen: „Unsere Produkte dienen dem Einzelnen, ohne der Allgemeinheit zu schaden.“ Der glattelegante Slogan lässt dabei das Können teurer Werbefabriken vermuten…



Wer das Credo auf Herz und Nieren untersucht..

•  ..den erstaunt die Unverfrorenheit, mit der nach Aussage der Organisation Facing Finance noch immer  in Streubomben investiert werde.

•  ..den verwundert die Erklärung der Bank, dass sie „in diesem Jahr keine neuen Wetten auf Agrarrohstoffe mehr auflegen“ werde. Wer genau  liest,  empört  sich  genau  wie  Foodwatch  darüber,  dass  die  bestehenden  Produkte also fortgeführt und die Hungerkrisen der Welt weiterhin verschärft würden.

•  ..ist endgültig desillusioniert, wenn die Deutsche Bank diesen Wertekodex nur auf Produkte des Privatkundengeschäfts bezieht. Dieses macht allerdings nur einen Bruchteil der gesamten Produktpalette aus.

Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie messen: Fein bedrucktes Papier, aalglatte Erklärungen und neblige Versprechungen sind das Eine. Dort erfreuen sich Werbeagenturen wie Karpfen im Schlamm und versuchen das ramponierte Image von mächtigen Geldinstitutionen mit dem Sekundenkleber scheinheiliger Verlautbarungen zu kitten.

Wo das Geld schließlich wirklich und wahrhaftig landet – das erst beweist den Ernst der Absichten! Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die  Transparenz  und  Verständlichkeit der Investitionen: Anleger müssen schnell und eindeutig erkennen können, wo ihr Geld landet und was es dort tut – das detektivische Talent eines Journalisten und dessen bohrende Hartnäckigkeit sollten dafür eigentlich nicht vonnöten sein.



Ethisches Investment aus Überzeugung: Vorbildlich verhalten  sich  hier unsere Beteiligungsfonds:

Sie erkennen bei Interesse schnell auf deren Website, mit wie vielen Prozentanteilen die Fonds an verschiedenen Firmen beteiligt  sind. Eine kurze  Inhaltsangabe zum jeweiligen  Geschäftszweck der Firmen spiegelt die Ernsthaftigkeit wider, mit der im niedergeschriebenen Ethik-Kodex für den aktuellen Beteiligungsfonds geworben wird: 

Das Geld unserer Anleger unterstützt nur Unternehmen,  die  mit  ihren  Produkten oder Dienstleistungen einen nachvollziehbaren Mehrwert für Mensch und Gesellschaft schaffen. Hier werden nicht nur schöne Worte auf fein bedrucktem Papier gemacht. Hier beweist das Management, dass die Taten den Worten sogar vorausgegangen sind! Ethisch und nachhaltig investiert wird schließlich seit 2008: Der 2011 verfasste Ethik-Kodex war nur das verbale Sahnehäubchen auf dem süßen Kuchen eines verantwortungsbewussten Portfolios.




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