Sonntag, 10. März 2013

Mehdorns Kreuzzug in den Himmel

(nh/ph) Hartmut Mehdorn. Ein Mann, der jahrelang mit dem eingebrannten Vornamen "Bahnchef" durch die Presse geisterte. Ein Mann, der sich durch sein Projekt "Deutsche Bahn" von unwirtschaftlichen Schienen in hoch-rentable Lüfte über Berlin erhoben hat, um sich nun anschließend, mit seinen doch schon stattlichen fast-71 Jahren, eher bodenständig um Deutschlands zweitgrößtes Sorgenkind zu kümmern, den Hauptstadtflughafen – Stuttgart 21 ist und bleibt nun mal schwer zu toppen.

enerausberlin
Auf einmal ist bei BER also Mehdorn derjenige mit dem kürzesten - Ich meine Streichholz! Noch vor kurzem klagte er selbst gegen den Flughafen, da einigen Fliegern seiner Ex-Flotte nicht die richtigen Flugtermine und Landezeiten zugesprochen wurden. Kein Problem, so die übliche Reaktion. Die Wahl von Mehdorn als neuen BER-Sanierer geht indes mit einer gewissen Ironie einher. So forderte eben Mehdorn zu seiner Zeit den Erhalt des Flughafens Tempelhof. Des Weiteren waren es doch zu Bahnzeiten  Politikakteure, die seinen Abgang wider Willens im Endeffekt bewirkten. Mit genau solchen Figuren soll der bekennende Berliner nun das Mammutprojekt BER stemmen. Dabei haben sich Wowereit, Platzeck und Co. Deutschlands „Top-Manager Nr. Eins“ nach eigenen Angaben dennoch nicht umsonst in’s Boot geholt: Mehrdorn vollbrachte nämlich das Kunststück, die Deutsche Bahn von 1,5 Mrd. € operativem Minus auf 2,5 Mrd. € Gewinn zu katapultieren – was zugegeben „zumindest etwas“ an der Preissteigerung von ca. 35 % gelegen haben dürfte.

Nun beginnen selbstverständlich auch die Debatten über das Gehalt des neuen BER-Oberfluglotsen. 500.000 € sind im Gespräch, Genaueres wird jedoch natürlich nicht verraten. Vorschlag zur Güte: Wie wäre es mit Rente Herr Mehdorn? Bei allem notwendigen Respekt, warum müssen sich Menschen, welche auch bei der härtesten Arbeitszeitverlängerung oder etwa einer Rente mit 67 aufwärts noch müde lächeln, Projekte mit solchen Ausmaßen aufladen. Erfahrung und Weisheit in allen Ehren. Aber wer kann den Bürgern versichern, dass bis zur Fertigstellung solcher Großprojekte die aktuelle Befehlsgewalt noch am Leben, geschweige denn in Amt und Würden ist?

Starten wir doch eine landesweite Ausschreibung - Gesucht wird: Sachverständiger Ingenieur mit Kenntnis zur qualitativen und fristgerechten Fertigstellung eines internationalen Flughafens in Stadtnähe. Arbeitsbeginn ab sofort, nicht älter als 50 Jahre, idealerweise keine Affinität zum Lobbyismus - Entlohnung nach Schweizer Standard.

Vielleicht wird aber auch erst dann alles gut, wenn Züge fliegen können.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen