Jener Artikel soll hier nicht vollständig wiedergegeben werden, doch möchte ich ein
paar weiterführende Gedanken dazu äußern, da sich einer intensiven
Auseinandersetzung mit dieser Thematik eigentlich niemand entziehen sollte.
Denn betroffen ist im Endeffekt jeder, vom Schüler bis zum Rentner. Eigentlich
ist es offensichtlich, dass Deutschland (die EU, sowie die restliche Welt
bilden dabei keine wesentliche Ausnahme) heute überwiegend von Menschen regiert
und geführt wird, die deutlich älter als Fünfzig sind.
Als
Verfasser dieses Textes, der sich noch knapp näher an den Zwanzig, als an den
Dreißig bewegt, möchte ich von vornherein klarstellen, dass dies weder ein
Angriff auf die Generation meiner Eltern und Großeltern werden soll, noch
möchte ich „grundsätzliche“ Kritik am Alter sowie der Erfahrung von
„Führungspersönlichkeiten“ äußern.
"Jahrgangstechnische Grenzgänger"
Es soll
lediglich Gedankenspiel auf den Weg gebracht werden, in dem das momentan
herrschende demografische Bild, sowie dessen Entwicklung einmal kritisch
beleuchtet werden. Wer sich heute einmal mit offenen Augen durch die
Wirtschafts- und Politiklandschaft bewegt wird bald feststellen, dass Menschen
unter 35 Jahre so gut wie nie in gewichtigen "Erste-Klasse-Positionen" zu finden sind.
Natürlich gibt es Ausnahmen, wie beispielsweise den Gründer von Facebook Marc
Zuckerberg (28). Die Jungspunde in der Politik sind heute Menschen, die beinahe
noch meine Eltern sein könnten. Philipp Rösler (40) oder Familienministerin
Kristina Schröder (35), deren Kompetenz hier nicht thematisiert werden soll,
sind jahrgangstechnische Grenzgänger der deutschen Politik.
Die
andere, jedoch weitaus größere Randgruppe, sind Personen wie der Italienische
Präsident Giorgio Napolitano. Mit 87 Jahren bestreitet er nun erneut eine
Legislaturperiode, da sich eine adäquate politische Konsensfindung in Italien momentan
als unmöglich erweist.
Gehen wir
kurz ein paar ausgewählte deutsche Top-Führungspositionen (Wirtschaft und Politik)
durch:
- Martin Winterkorn / VW (65 Jahre)
- Dieter Zetsche / Daimler (59)
- Angela Merkel /Kanzlerin (58)
- Joachim Gauck / Präsident (73)
- Peer Steinbrück / Kanzlerkandidat (66)
Die Liste
ließe sich beliebig fortsetzen. Die administrative Elite in Deutschland bewegt
sich überwiegend in den bereits angesprochenen Jahrgängen der 1950er Jahre.
„Up-to-date“ - Kompetenzen
ausgelagert
Ich
möchte damit nicht sagen, dass ich mir einen 19-jährigen Bundeskanzler oder
einen Vorstand eines milliardenschweren Automobilkonzerns wünsche, der erst
noch seinen Führerschein machen muss. Natürlich ist eine gewisse
Lebenserfahrung für eine verantwortungsvolle Führung unumgänglich. Doch sollte
man einmal versuchen, diese „Lebenserfahrung“ mit der exponentiell ansteigenden
Innovationsdichte unserer heutigen Zeit (Computer, Internet, sonstige Hochtechnologien etc.)
in Relation zu setzen.
Dies soll
kein „Die Alten haben doch keinen Plan von Technik“ - Artikel werden. Doch muss
man sich bei genauerem Hinsehen eingestehen, dass eine Technik wie das Internet
und der Computer für meine Generation eine so fundamentale Selbstverständlichkeit
ist, weil eben meine Generation eine der ersten „digital natives“ war, die
von Anfang an mit diesen Medien konfrontiert wurde. Menschen wie Peer
Steinbrück oder Angela Merkel, die ihr halbes Arbeitsleben ohne eine solche
„Technik“ verbracht haben, besitzen in diesen Punkten einen „natürlichen“, aber
keinesfalls offiziell angreifbaren Schwachpunkt.
Ich
unterstelle hier nicht, dass beispielsweise Herr Steinbrück nicht weiß, wie er seinen Laptop oder gar sein iPad zu bedienen hat. Jedoch stehen die
Chancen relativ hoch, dass diese Dinge von einem „Web-2.0 Zivi“ übernommen
werden. Heute wird in Deutschland Netzpolitik und Vorratsdatenspeicherung von
Personen diskutiert, die unter Umständen nicht einmal wissen wie sie ihren
Computer anschalten. „Das musste ich noch
nie tun, das haben meine Angestellten für mich gemacht, in meinem Alter ist das
nicht mehr wichtig,…“
Generation Erfolg – Die
„Baby-Boomer-Generation“
![]() |
| Bild: Barbara Henniger (1987) |
Diese
Polemik soll etwas verdeutlichen, denn auch abseits der Technik gibt es
Bereiche, die seit den 70er oder 80er Jahren eben nicht „stehen geblieben“
sind. Die internationale Finanzpolitik ändert sich im Stundentakt,
Millionengeschäfte an Aktienmärkten werden heute in Sekundenbruchteilen per
Glasfaserkabel abgewickelt. Die Generation der Baby-Boomer ist im Durchschnitt
in den 50er Jahren geboren, in den 60er Jahren zur Schule/Universität gegangen
und dann in den 70ern in die Arbeitswelt eingestiegen (grob überschlagen). Bis
auf ein paar „kleine Ausrutscher wie die Ölkrisen `73 und `79, die aus heutiger
Sicht eigentlich nur belächelt werden können, wuchs eine der zahlenmäßig
stärksten Generationen in einem wirtschaftlichen und politischen System heran,
welches nur eines kannte: WACHSTUM, FORTSCHRITT, HÖHER - SCHNELLER - WEITER.
Wenn man
diese Tatsache berücksichtig und sie auf die Probleme der heutigen Zeit umwälzt,
so ist dies zwar absolut keine Entschuldigung für Fehlverhalten oder Arroganz,
doch sollte man auch bedenken, dass eine Person, die ihr komplettes Leben in
einem ständig expandierenden System verbracht hat, nun mit Problemen
konfrontiert ist, welche für sie teilweise nicht erklärbar und eventuell sogar
absurd erscheinen: Das Wachstum stagniert
und geht sogar zurück, Finanzblasen platzen und müssen durch noch größere
abgefangen werden et cetera.
Demografischer Abgrund?
Die
Weltbevölkerung hat sich seit 1950 fast verdreifacht! Die letzte Verdreifachung
dauerte davor über 200 Jahre![4] Wir stehen heute national sowie global vor
Problemen, die sich in einem so noch nie dagewesenen Tempo verändern, und
werden von einer Generation geführt, die es sich, ob gewollt oder ungewollt,
als eine der stärksten ihrer Art „gemütlich“ gemacht hat. Aus dem einfach Grund
weil sie es war, die sich aus einem Jahrzehnte andauernden Zeitraum heraus eine
Versorgungs- und Vorsorgesituation geschaffen hat, welche einmalig ist.
![]() |
| Quelle: Statistisches Bundesamt 2004 |
Ich
plädiere keineswegs dafür, eine Zwangsrente mit 49 für Politiker oder
Spitzen-Manager einzuführen, aber anstatt jahrelang über eine Frauenquote zu
diskutieren, die im Endeffekt keinen nachweisbaren Erfolg verspricht, (was
nicht heißen soll, dass ich mich gegen mehr Frauen in Führungspositionen
ausspreche, nur sollte meiner Meinung nach zuerst die Kompetenz und danach die
Lage der Geschlechtsteile eine Rolle spielen) wäre es vielleicht sinnvoller
sich über eine Altersquote zu
unterhalten. Utopisch - In Anbetracht der demografischen Entwicklung in Deutschland. Führungskräfte werden in Zukunft wahrscheinlich eher noch älter sein.
Wie es gehen kann, zeigt die Klasse der leitenden Geschäftsführer in Deutschland. Hier lag das Durchschnittsalter in Deutschland im Jahr 2011 bei ca. 51 Jahren in. [2] Tendenzen zeigen, dass sich diese Zahl mittelfristig trotz des demografischen Wandels noch verringern könnte. Das "letzte Wort" bleibt dennoch meist einer Generation vorbehalten, welche sich ständig den Vorwurf der Bezuglosigkeit gefallen lassen muss. Ich
möchte weder die Kompetenzen, noch die Qualifikationen oder Erfahrungswerte
dieser Generationen attackieren, jedoch liegt mir was daran, dass eben jene Generation
die momentan „am Drücker“ sitzt, sich ihrer Selbst und ihrer demografischen
Besonderheit bewusst wird. Eine nachhaltige Welt kann nur funktionieren, wenn
jede Generation die Verantwortung für die Nachkommenden übernimmt.
Ein Zug
kann auch nur dort fahren, wo Schienen gelegt wurden.
[2] buergel.de (Punkt 7)


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