Sonntag, 5. Mai 2013

Sterben für den Konsum

(nh) Vor knapp zwei Wochen kam es in Bangladesch zu dem verheerenden Einsturz eines Fabrikgebäudes, welcher über 500 Menschenleben forderte und noch mehr verletzte. Bis heute wurden noch nicht alle vermissten Arbeiter gefunden. Ein zweifellos tragischer, aber auch unnötiger Unfall, der zu Recht wieder die Frage auf den Plan wirft, ob, wie und warum wir solche sozialen und arbeitsrechtlichen Grausamkeiten überhaupt noch dulden. 

Nun fordert die EU bessere Arbeitsbedingungen für jene Menschen, die dort zu Tausenden in Fabriken schuften und umgerechnet kaum einen Euro pro Tag verdienen.

Bild: Salzburger Nachrichten
Bangladesch, ein Land das nach China, zum zweitgrößten Exporteur von Textilien herangewachsen ist, beziehungsweise „herangewachsen wurde!“ Über 15 Milliarden Euro jährlich verdient Bangladesch mit der Ausfuhr von Kleidung in die Europäische Union. Die Diskussion, ob und wenn ja welche der „westlichen“ Textilkonglomerate in dem nun zerstörten Gebäude ansässig waren, kann eigentlich vernachlässigt werden, weil sie im Endeffekt keinen Informationswert enthält.

Da das Kind, in diesem Fall das bengalische, bereits in den Brunnen gefallen ist, muss die ganze Thematik vom anderen Ende her angegangen werden. Natürlich stehen die Hersteller und Auftraggeber in direkter Verantwortung (und müssen zur Rechenschaft gezogen werden), ebenso die Politik, sei es national oder global. Nur darf man nicht vergessen, WARUM man tausende Menschen für einen Hungerlohn zu solchen sklaven-ähnlichen Arbeiten „zwingt“.

Mit der Gier und der kalten, gewinnmaximierenden Berechenbarkeit von Managern und Bankern zu argumentieren ist sicherlich nicht grundsätzlich falsch, jedoch etwas zu kurz gegriffen. Am Ende stehen WIR. Sie, die das hier lesen, wie auch ich, der diese Zeilen geschrieben hat. Und bestimmt auch der Facharbeiter des Telekommunikationsdienstleisters, der es uns ermöglicht diesen Beitrag im Internet aufrufen zu können.

Der Kunde, die Gesellschaft, der Konsument ist- konsequent zu Ende gedacht - der eigentliche Täter, der die Fabrik hat einstürzen lassen. Falls sich nun jemand persönlich in seinem Kaufverhalten angegriffen fühlt, weil es ja ein leichtes ist, im Nachhinein zu urteilen, und es genug Menschen, auch in unserem „reichen“ Deutschland gibt, die sich durch mangelnde Kaufkraft eben keine Jeans für 300 Euro leisten können, dann habe ich erreicht was ich wollte.

Wir sollten uns angegriffen fühlen! Unsere „westliche“ Welt, baut seit Jahrzehnten auf einem immer instabiler werdenden Gerüst aus Wachstum und steigender Produktivität, und als Fundament benötigen wir dafür Menschen, die uns mit T-Shirts für einen Euro und Jacken für 3,99€ versorgen. Damit wir unser, wenn auch immer kleiner werdendes Erspartes, bei McDonalds hinter den Tresen werfen können, und uns anschließend über Menschen echauffieren, die in der Position eines Sportvereinspräsidenten Geld, am Fiskus vorbei, ins Ausland schaffen.

Wir brauchen diese Menschen, die uns mit den „notwendigsten“ Gütern wie T-Shirts, Schuhe und Smartphones versorgen. Und zwar kontinuierlich und zu Preisen (bei uns versteht sich), die unserer Kaufkraft gerade noch so entsprechen. Natürlich gibt es Label wie „Fair Trade“ oder bestimmte Öko-Textil-Richtlinien, die (unter Umständen) eine einigermaßen soziale und umweltverträgliche Produktion solcher Waren sicherstellen. Doch was nützt das schönste Fair Trade Label, wenn dem Konsumenten der extra-Euro am Monatsende für Zigaretten fehlt?

Eine überwältigende Mehrheit in unserer Gesellschaft lebt leider immer noch nach dem Motto: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Man ist unheimlich bestürzt, ja vielleicht sogar traumatisiert über die katastrophalen Missstände am anderen Ende der Welt, und ist anschließend doch wieder froh, dass schon bald ein neuer Steuersünder oder Superstar, oder vielleicht beides durch das mediale Dorf getrieben wird.

Solange wir hier im Westen nicht bereit sind, uns selbst einzugestehen, dass unsere Art zu leben darauf aufbaut, dass Millionen anderer Menschen eben weitaus schlechter leben müssen als wir, solange werden weiterhin Fabriken einstürzen und Menschen sterben.

Aber jetzt auf zu Kik, heute sind Badehosen im Angebot…
Aktion Deutschland Hilft

4 Kommentare:

  1. das waäre schön wenn nur die Billigklamotten aus China und bangladesh kämen. Fakt ist, dass auch teure Marken dort iohre Keliduzng fertigen lassen. Oder zumindest zum teil. haben hat nur noch eine fettere Marge. Und mit unserem Kaufverhalten die Reichenkriminalität in Puncto Steuerhinterziehung zu beschönigen oder / und zu verharmlosen vollziehe ich nicht nach. Definitiv ist es so, dass sich hierzulande jede(r), die bei H&M, KIK, zara, usw. usf. einkleidet für die Zustände in den Produzentenländern mitverantwortlich ist. Das betrifft nun mittlerweile nicht nur die Menschen dort sondern bald jeden; wenn man andere Produkte des tgl. Konsums hinzunimmt zieht siech die Schlaufe auch um unsere ignoranten Hälse enger zu. Wieso denn noch irgendwas von Nestlé kaufen? Damit die noch mächtiger werden? Damit wir eines Tages für Wasser zahlen müssen und die, die es nicht können vor die Hunde gehen? Und wieso überhaupt noch an den Markentankstellen tanken? Damit die Verseuchung des Mexikanischen Golfes noch belohnt wird? Und das ist nur eines von vielen Umweltschäden die aus Gier und Eigenzweck rücksichtslos angerichtet werden. Unter den Augen unserer lobbyistisch konformen Regierungen, die schon lange nicht mehr für die Menschen agieren sondern für sich und die Konzerne. Traurig. Und dennoch; diue Macht liegt beim Konsumenten, also bei uns. Informieremn, anders kaufen. Unter Umständen Lifestyle anpassen. So entsteht Druck und so Veränderung. Hoffentlich.

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  2. Unser Leben wird von Großunternehmen designt. Die Städte fördern dies mit der Ansiedlung von Einkaufszentren wo H&M und Zara hausen und den neuen Ortsportalen wo sich Kik& Co ansiedeln. Ich kann obigen Beitrag nur zustimmen, mit offenen Augen andere Wege suchen. Die gibt es. Mancherorts findet sich im städtischen Raum ein Laden mit Klamotten made in EU. Von ganz anderen Firmen, zu plausiblen aber dennoch bezahlbaren Preisen und haltbarer Qualität, die mehr als einen Sommer durchsteht.

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  3. aldi, lidl, c&a, h&m alles kommt aus dem gleichen Fass, schaut doch mal ins Etikett!!!! S.Oliver läßt seine Ware auch dort machen. Und viele mehr.....

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  4. Das Problem ist, daß man NICHT weiß, von wem die Ware stammt. Daß ein T-Shirt, das es bei Kik um 1,99 Euro zu kaufen gibt, nicht aus einem Hochlohn-Land stammt, ist klar. Aber wie teuer muß ein T-Shirt sein, um sicherstellen zu können, daß es nicht von "Sklaven" hergestellt wurde? 5 Euro? 10 Euro? 20 Euro? 50 Euro? 100 Euro? Nur weil die Ware teurer ist, muß sie nicht unter besseren Bedingungen hergestellt worden sein. Neben Billiganbietern wie Kik hört man auch immer wieder andere Namen (keine Billiganbieter). Wahrscheinlich gibt es kaum Anbieter, die teure Ware von teuren Arbeitskräften produzieren lassen. Man müßte sich, um auf der sicheren Seite zu sein, eine Wiese und Schafe kaufen, um aus deren Wolle eigene Kleidung herzustellen. Nähen kann man freilich nicht mit einer gekauften Nadel, denn wer weiß, unter welchen widrigen Umständen das Erz dafür aus dem Felsen geschlagen wurde?!

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