Liebe Nobelpreisträger- und Trägerinnen,
(ph) Ich war vor kurzem schon sehr erstaunt, als mich noch vor
dem Mittag die Nachricht erreichte, einen Nobelpreis zu erhalten. Zwar muss ich
mir diesen mit mehr als 500 Millionen anderen Menschen teilen, aber mal ehrlich
– man ist doch schon irgendwie stolz, oder? Friedensnobelpreis für unsere EU?
Das klingt ja auf Anhieb so, als wären wir in Europa die zivilisierteste und
fortgeschrittenste Völkervereinigung aller Zeiten. So, als sei die Europäische
Union das „Projekt Frieden“ schlechthin – und wir alle dabei ihre Engel.
Märchenrepublik untersuchte für Sie, ob dieser Preis in
seiner Form so gerechtfertigt ist und kam dabei zu dem Ergebnis, dass sich das
Nobelpreiskomitee in Oslo nach den Auszeichnungen für Gore und Obama erneut bis
auf die Knochen blamierte. Aber der Reihe nach:
Dieser Preis gilt natürlich der EU - verdient müssten ihn
sich demzufolge auch seine Mitgliedsstaaten haben, darunter vor allem
Leitstaaten wie Großbritannien, Frankreich oder Deutschland - um nur mal 3
Zugpferde zu nennen. Zur Realität: Die Briten ziehen mit ihrem "Big Brother" seit
Jahrzehnten von Krieg zu Krieg und Frankreich bombardiert mittels NATO-Beschlüssen
seit Gedenken in unzähligen Krisengebieten willkürlich umher. Deutschland reiht
sich als drittgrößter Waffenexporteur der Welt diesbzgl. glänzend ein. Diesen Führungsländern
unter Deckmantel der Union nun einen Friedenspreis zu geben, weil sie ihre Kriegsschauplätze-
und vor allem Erträge(!) nach außen bzw. an Dritte verlagert haben, ist
Realsatire.
Betrachtet man z.B. nur einige militärische Konflikte der letzten 60 Jahre, entsteht ein völlig verzehrtes Bild, was die "Friedenspolitik" vieler EU-Mitglieder betrifft:
Schon während der Ausarbeitung der Pariser-Verträge zur
EGKS-Gründung wirkten Belgien, Luxemburg und Frankreich im Korea-Krieg mit.
Weniger Jahre später sorgten Frankreich und Großbritannien
in Ägypten für Unruhe, weil jemand versuchte ihnen das Öl abzudrehen.
1967 bekämpften sich jene beiden Staaten während des
Biafra-Konflikts indirekt selbst, indem die verfeindeten Konfliktträger
Nigeria und Biafra jeweils mit Waffen belieferte wurden.
Ca. 20 Jahre später belieferten beide Staaten dann wieder die selben Parteien, darunter auch Al-Quaida, mit Waffen, um den Sowjets im ersten Afghanistan-Krieg „ein’s auszuwischen“.
Gegen Ende des Vietnam-Kriegs kämpften Spanische Truppen an
der Seite der USA gegen den Vietkong und die Kommunisten – wenige Jahre später wurde Spanien
Mitglied der EU.
1982 legten sich die Briten mit den Argentiniern an, um ihre
Inselgruppe am anderen Ende des Ozeans zu „verteidigen“. 1990 zogen sie
zusammen mit den USA in den 2. Golfkrieg. 2003 anschließend in den dritten und
zwischendurch attackierte man Afghanistan.
Erst wirklich erschreckend wird diese (Kurz-)Analyse, wenn
man bedenkt, dass sie nach 45 Minuten Wikipedia-Stöberei entstand. Wie Viele
aktive Kriegshandlungen von Mitgliedern der EU in den letzten 60 Jahren
wirklich ausgingen, lässt sich wahrscheinlich in keiner Weise offiziell belegen.
Natürlich wird jedes Komitee-Mitglied die Vergabe des Preises trotz der
genannten Fakten mit der ursprünglichen Intentionen, dem Frieden innerhalb
Europas, rechtfertigen. Und was diesen Punkt angeht, mag man bis hier hin sogar noch streiten können. In
Anbetracht der angesprochenen Ertragslage
fällt jedoch ein noch wesentlich größerer Schatten auf unsere Europäische Friedens-Union.Man schießt Europäisch.
So hat sich z.B. Deutschland auf den ersten Blick in den
letzten 60 Jahren ziemlich zurückgehalten – aber nur auf den ersten Blick.
Mehr
als jede zehnte Waffe (dazu gehören sämtliche militärisch eingesetzten
Erzeugnisse) die weltweit verkauft wird, kommt mittlerweile aus der BRD. Die
Hälfte des U-Boot Reservoirs der 36 Staaten, die keine atomaren U-Boote führen,
kommt aus Deutschland. Dabei ist es auch nicht so, dass wir unsere Exporte
möglichst weit weg schiffen, im Gegenteil. 2010 hieß unser größter Abnehmer
Türkei – EU-Beitrittskandidat. Platz 2 – noch skurriler, Griechenland. Das ohnehin schon angeschlagenste EU-Mitglied
treibt man durch die Aufrechterhaltung eines U-Boot-Programms noch tiefer in
die Verschuldung, bezahlt ergo im selben
Atemzug indirekt die Dinge, die man selbst verkauft.
Die Spitze des Eisberges – beide Hauptabnehmer Deutscher
Rüstungsexporte, Türkei und Griechenland, befinden sich seit Jahrzehnten in
einem geopolitischen Konflikt um Zypern. „Wir“ verdienen also an einem
inner-europäischen Konflikt, wenn das nicht nobelpreiswürdig ist. Frankreich,
Großbritannien und selbst Italien stehen der BRD, was Rüstungsexport-Wachstum angeht,
um nichts nach. Der Umsatz konnte in den letzten Jahren stetig gesteigert
werden – trotz Weltwirtschaftskrise. So kommt heute ca. jede vierte Waffe,
die global produziert und veräußert wird – aus der Europäischen Union.

Aber sicher konnte die Osloer Satire-Gang auch darüber
hinwegsehen, z.B. mit einem kleinen Verweis auf Globalisierung, Politik oder ähnlichem. Vielleicht ist
Märchenrepublik manchmal auch einfach zu kritisch, und übersieht (hier am
Beispiel) den unglaublichen Erfolg
unserer Europäischen Wertegemeinschaft, an dem natürlich auch geschmierte
Politiker, die Zusammenführung völlig heterogener Wirtschaftssysteme durch den
Euro und ein völlig aus den Fugen geratenes Finanzsystem ihren Verdienst haben
– Frieden in Europa.
Ok zugegeben, dieses Bild zeigt vielleicht eine leicht
veränderte Realität. Aber es ist auch nur eines, welches die objektiv
zynische Anschauung des Autors veranschaulicht. Sehen wir doch einfach über
alles Offensichtliche hinweg und freuen uns darüber, auf was für einem moralisch
intakten und friedlichem Kontinent wir leben.
Somit allen nochmals Herzlichen Glückwunsch zum
Friedensnobelpreis.
http://www.youtube.com/watch?v=sohKLskzQvg
AntwortenLöschensehe ich genauso!
AntwortenLöschen